Krieg ist daDa
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    Krieg ist dada 2006  „Der Große Krieg – das große Sterben

 

1. Feber – 27. August 2006

Veranstaltungsorte: Villach, Kötschach-Mauthen, Arnoldstein, (Österreich)
Vrsič-Pass – Trenta – Soča – Bovec – Kobarid – Kluže – Log pod Mangrtom (Slowenien)

Slowenien / Österreich · Slovenia / Austria · Slovenija / Ávstrija

Im Juli 1914 hatten die Heerführer der österreichisch-ungarischen Armee noch propagandistisch verkündet, der Krieg werde nur wenige Wochen dauern. Im Mai 1915 hatte das Italienische Königreich der Österreichisch-Ungarischen Monarchie den Krieg erklärt. Das große Sterben an den Ufern des Isonzo begann. Seit 1915 wurde an den Fronten auch Kampfgas zur Vernichtung der so genannten Feinde eingesetzt. Im Jahr 1916 hatte das Sterben an den Fronten bereits industrialisierte Ausmaße angenommen. Die großen Schlachten nahmen ihren Verlauf im Westen an der Somme oder die große Seeschlacht im Skagerak. Allein am Isonzo kam es zu fünf großen Schlachten zwischen der italienischen Armee und den k.u.k. Truppen. Der größte Einsatz von Giftgas des Weltkrieges fand an der Isonzofront statt. 5000 bis 8000 italienische Soldaten wurden vergast, als österreichisch-ungarische Truppen unter dem Kommando von Major Dr. Lothar Rendulic am 29. Juni 1916 bei San Michele del Carso auf der Hochfläche von Doberdò einen Angriff mit Gas unternahmen. Der Einsatz von Giftgas war also eine neue Steigerung im Horror des Sterbens. Nutznießer dieser Situation waren die Profiteure der Kriegsindustrien, deren frech zur Schau gestellter neuer Reichtum die sozialen Spannungen verstärkte, die durch Hungersnöte noch verstärkt wurden.

Das Jahr 1916 war in Österreich-Ungarn auch das Jahr des Kaiserwechsels. Am 21. November 1916 war Kaiser Franz Joseph I. verstorben, 68 Jahre lang hatte er von Gottes Gnaden die Ehre und Pflicht erfüllt, für das Erzhaus Habsburg die Regierungsgeschäfte der Dynastie über das österreichisch-ungarische Reich zu führen. Da dem Kaiser mit dem Tod seines Sohnes Rudolf in Mayerling und mit dem Tod von Franz Ferdinand am 28. Juni 1914 in Sarajevo zwei seiner Thronfolger abhanden gekommen waren, wurde der dritte Erzherzog Karl schließlich Kaiser von Österreich und König von Ungarn. Nur ein sofortiger Ausstieg aus dem Krieg durch Karl hätte eine Auflösung der k.u.k. Doppelmonarchie Österreich-Ungarn verhindern können, wenn Österreich-Ungarn aus dem Zweibund mit Deutschland nach dem Tod von Franz Joseph sofort ausgestiegen wäre, einen Separatfrieden abgeschlossen hätte und sich in einen Bundesstaat verwandelt hätte, in dem alle Völker dieselben Rechte inne gehabt hätten, wie von Franz Joseph nur den Österreichern und Ungarn zugestanden worden waren. So wurde Kaiser Karl nur der Vollstrecker der Politik von Franz Joseph I.: „Wenn wir zu Grunde gehen sollen, wollen wir wenigstens mit Ehre untergehen.“

Im Zentrum der künstlerischen Auseinandersetzungen mit dem Thema stehen Werke des Komponisten Viktor Ullmann, der selbst in der k.u.k. Armee als Artilleriebeobachter an der Isonzofront tätig war, und Herbert Thomas Mandl, dessen Vater als Artillerist im Ersten Weltkrieg in der k.u.k. Armee an der Front war sowie Werke von im Krieg getöteten Künstlern, Kritikern und Befürwortern des Krieges.

Gerade am Beginn des dritten Jahrtausends ist die Hinterfragung dieser kriegerischen Katastrophen von größter Bedeutung, denn das einundzwanzigste Jahrhundert hat mit einer Reihe gefährlicher militärischer und terroristischer Aktionen begonnen, die das friedliche Zusammenleben der Menschen und Kulturen im einundzwanzigsten Jahrhundert intensiv gefährden. Welche Schlüsse sind zu ziehen, um dem einundzwanzigsten Jahrhundert das Schicksal des blutigen zwanzigsten Jahrhunderts zu ersparen. Denn Krieg in jeder Form bringt keine Lösung bestehender Probleme. Das zeigt uns das zwanzigste Jahrhundert.

Eine wichtige zivilisatorische Errungenschaft ist das Gedächtnis. Nur wer sich erinnert, wer sich an die Vergangenheit erinnert, wird in die Lage versetzt werden, in der Gegenwart glaubwürdige Problemlösungen für die Zukunft in Betracht zu ziehen. Nur wer die Vergangenheit und die Fähigkeit zu erinnern akzeptiert, wird in der Gegenwart über das Verstehen der Vergangenheit die Herausforderungen der Zukunft bewältigen können.

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