Krieg ist daDa
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Projekt 2004  
    Krieg ist dada 2005   „Der Große Krieg – der vergessene Krieg“

 

26. Juni / June – 11. November / November 2005

Veranstaltungsorte: Hallein, Villach, Kötschach-Mauthen, Arnoldstein, Nötsch (Österreich)
Prora (auf der Insel Rügen / Deutschland), Kobarid und Bovec –
Trdnjáva Kluzše (Slowenien)

Slowenien / Österreich · Slovenia / Austria · Slovenija / Ávstrija

Im Juli 1914 hatten die Heerführer der österreichisch-ungarischen Armee noch propagandistisch verkündet, der Krieg werde nur wenige Wochen dauern. Doch aus diesem versprochenen kurzen Krieg wurde im Jahr 1915 ein Krieg, in dem fast alles europäischen Mächte aktiv waren und den Krieg auch in die europäischen Kolonien nach Asien, Afrika und Amerika trugen. Die USA verhielten sich 1915 noch neutral, obwohl sie von der Versenkung des Passagierdampfers „Lusitania“ (einem der prächtigsten Ozeanriesen seiner Zeit) am 7.Mai 1915 menschlich (viele tote zivile amerikanische Staatsbürger waren an Bord des Schiffes) und politisch betroffen waren.
Im Mai 1915 wurden die kriegerischen Auseinandersetzungen in Europa um einen weiteren Kriegsschauplatz erweitert. Das italienische Königreich trat in den Großen Krieg ein. Ursprünglich ein Bündnispartner des Deutschen Reiches und der Österreichisch-Ungarischen Monarchie verhielt sich Italien zu Beginn des Krieges im Jahr 1914 neutral, war jedoch 1915 Partner der französisch-englisch-russischen Entente geworden. Der Kriegsanlass (die Ermordung des österreichisch-ungarischen Thronfolgers Franz Ferdinand in Sarajevo) war schon längst kein Thema mehr, jeder versuchten den jeweils anderen mit kriegerischen Mitteln zu vernichten und im Falle eines sogenannten folgenden Sieges den jeweils anderen die verursachten Kosten aufzurechnen sei es in Form von Reparationszahlungen oder auch Gebietsabtretungen.
Das italienische Königreich hatte also im Mai 1915 der österreichisch-ungarischen Monarchie und dem Deutschen Reich den Krieg erklärt. Neben der Ost- und Westfront in Europa kam nun auch die Südwestfront dazu. Diese Südwestfront verlief von der schweizerisch-italienisch-österreichischen Grenze entlang der Berggipfel Tirols, Kärnten und der Julischen Alpen zum Adriatischen Meer. Der Große Krieg hatte die alpine Welt erreicht. Auf Berggipfeln wurden nun auch kriegerische Auseinandersetzungen geführt in Eis und Schnee, ein Krieg, der heute so gut wie vergessen ist, weil er die menschliche Vorstellungskraft übersteigt. Zivilpersonen wurden aus dem neuen Frontgebiet evakuiert und in das Landesinnere der k.u.k. Monarchie deportiert wie beispielsweise nach Leibnitz in der Steiermark oder Bad Bleiberg in Kärnten. Slowenische Soldaten der k.u.k. Wehrmacht mussten an der Frontlinie auf ihre eigenen Häuser schießen. Soldaten mussten unter unmenschlichen Bedingungen in Fels- und Erdlöchern hausen und einen Teil des militärischen Geräts selbst in die Berge tragen, weil die Steilheit im Gebirge andere Transportformen nicht zuließen. Hunderte von Soldaten (egal auf welcher Seite sie kämpften) wurden Opfer von Schneelawinen. Kriegsgefangene, die Strassen im Gebirge bauten (die Passstrasse über den Vrsic-Pass von Kranjska Gora in das Soca-Tal in Slowenien ist ein Werk russischer Kriegsgefangener), wurden oft auch Opfer von Lawinen. Dieser Gebirgskrieg ist jedoch in Vergessenheit geraten, und die Natur hat sich die Berge und die Landschaft wieder zurückerobert. Wo früher in den Julischen Alpen italienische und österreichische Truppen im Ersten Weltkrieg erbitterte Gefechte lieferten, wo früher im Zweiten Weltkrieg Widerstandskämpfer gegen die italienischen Faschisten und die deutschen Nationalsozialisten die Stellungen aus dem Ersten Weltkrieg für den Kampf gegen die Diktaturen von Mussolini und Hitler benutzten, dort ist heute die Natur zuhause: „Von dieser Fessel Mensch befreit, dehnt sich das Land mit ungemähten Feldern unter Sonn und Wind. Auf Städtetrümmern ruht der Schnee, in modrigen Ruinen spielen Has’ und Reh. Ach wären wir verdorrt. Die Wälder wachsen frei, die wir nur lähmen, keiner wehrt dem Wasser, seinen Weg zu strömen.“ (Viktor Ullmann)


Bei einer kritischen Analyse kritischen Analyse der Ereignisse des zwanzigsten Jahrhunderts kommt man zu einem überraschenden Schluss. Das zwanzigste Jahrhundert war das kriegsreichste Jahrhundert in der Menschheitsgeschichte.
Beginnend mit den Balkankriegen in den Jahren 1912 und 1913 – um es zynisch zu formulieren, die Ouvertüre zu den bevorstehenden kriegerischen Großauseinandersetzungen im zwanzigsten Jahrhundert – wird das Attentat von Sarajevo am 28. Juni 1914 auf den österreichischen Thronfolger Franz Ferdinand und seiner Gattin der Anlass für den Beginn des Ersten Weltkrieges und den daraus folgenden Zweiten Weltkrieg. Schließlich bilden die Balkankriege im nunmehr ehemaligen Jugoslawien von 1991 bis 1999 den Abschluss dieser blutigen Auseinandersetzungen.
ARBOS – Gesellschaft für Musik und Theater beschäftigt sich nun intensiv bis 2008 (neunzig Jahre nach dem Ende des Ersten Weltkrieges) mit Situation der Künstler und ihrer Stellung zum Krieg. Anhand ausgewählter Schicksale werden die Folgen der Kriege für ihre künstlerische Produktion intensiv analysiert.
Gerade am Beginn des dritten Jahrtausends ist die Hinterfragung von größter Bedeutung, denn das einundzwanzigste Jahrhundert hat mit einer Reihe gefährlicher militärischer und terroristischer Aktionen begonnen, die das friedliche Zusammenleben der Menschen und Kulturen im einundzwanzigsten Jahrhundert intensiv gefährden. Welche Schlüsse sind zu ziehen, um dem einundzwanzigsten Jahrhundert das Schicksal des blutigen zwanzigsten Jahrhunderts zu ersparen. Denn Krieg in jeder Form bringt keine Lösung bestehender Probleme. Das zeigt uns das zwanzigste Jahrhundert.
Das Projekt soll zudem den Dialog zwischen den Generationen fördern.
Eine wichtige zivilisatorische Errungenschaft ist das Gedächtnis. Nur wer sich erinnert, wer sich an die Vergangenheit erinnert, wird in die Lage versetzt werden, in der Gegenwart glaubwürdige Problemlösungen für die Zukunft in Betracht zu ziehen.
Nur wer die Vergangenheit und die Fähigkeit zu erinnern akzeptiert, wird in der Gegenwart über das Verstehen der Vergangenheit die Herausforderungen der Zukunft bewältigen können.
„Jetzt kenne ich den Krieg; jetzt weiß ich, welche furchtbare Macht die Dämonen der Vergangenheit auch über uns neuzeitliche Menschen besitzen und jetzt hasse ich den Krieg – wenigstens den Krieg des zwanzigsten Jahrhunderts“ schrieb der Arzt und Physiologe Friedrich Georg Nicolai im August 1918, und Nicolai war der Arzt der deutschen Kaiserin.