„Menschsein in einer barbarischen Welt“ |
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Mit dem Beginn des neuen Millenniums hat sich tragischerweise auch die Sicht auf die Welt verändert. Die hundertprozentige Privatisierung des Menschen wird zur neuen Ideologie erhoben, der Mensch als politisches Wesen soll ausgedient haben, die Ideologie des Kampfes der Kulturen wird gepredigt, Immanuel Kants Vision vom „Ewigen Frieden“ wird ersetzt durch den „Ewigen Krieg für Ewigen Frieden“(1). Zur Erinnerung: aus dem geplanten Präventivkrieg im Jahr 1914 gegen Serbien wegen des Attentats in Sarajevo (Ermordung des österreichisch-ungarischen Thronfolgers am 28. Juni 1914) wurde vor neunzig Jahren der Erste Weltkrieg entfesselt, ein apokalyptisches Ereignis, aus dem die noch größere Apokalypse der Zweite Weltkrieg folgte. Ähnliche Gefahren lauern auf das beginnende dritte Jahrtausend jetziger Zeitrechnung, wenn die barbarische Privatisierung von Staaten weiterbetrieben wird. Denn Kriege können sich nur Millionäre leisten, Arme können keinen Krieg führen. ![]() Vom Überleben von Zivilisation in der neuen Zeit der barbarischen Politik zeugen die Produktionen des Fünften Europäischen und Internationalen Gehörlosentheaterfestivals mit Vorstellungen über die Person des Außenseiters „Kaspar Hauser“ oder Edgar Allen Poes „Die Maske des roten Todes“ & „Das verräterische Herz“ oder Shakespeares Sonette in zeitgemäßer Umsetzung zum Thema „Weißer Schnee bedeckt des Lebens Röte“ oder „Befreie das Boot vom hässlichen Zwerg” aus Hongkong oder Rainer Maria Rilkes Gedichtzyklus in Prosa „Die Weise von Liebe und Tod des Cornets Christoph Rilke“ in einer poetischen Interpretation durch eine Gruppe internationaler gehörloser Künstler aus Singapur, Großbritannien, USA, Österreich, Tschechien, Polen und Island. Somit wird bewiesen, dass das Konzept des Dialoges der Kulturen lebt durch verantwortungsvolles Handeln der Künstler der Gesellschaft gegenüber. Denn nur dieser Dialog wird eine Zukunft der Menschheit ermöglichen. Denn jede Kultur braucht die andere Kultur, um sich zu ergänzen, zu reflektieren, um sich gegenseitig zu respektieren. Und eine andere wichtige zivilisatorische Errungenschaft ist das Gedächtnis. Nur wer sich erinnert, wer sich an die Vergangenheit erinnert, wird in die Lage versetzt werden, in der Gegenwart glaubwürdige Problemlösungen für die Zukunft in Betracht zu ziehen. Nur wer die Vergangenheit und die Fähigkeit zu erinnern akzeptiert, wird in der Gegenwart über das Verstehen der Vergangenheit die Herausforderungen der Zukunft bewältigen können. |
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